Die Vielfalt der Geländeformationen und der Reichtum an natürlichen Ressourcen sind der Grund dafür, dass dieses Gebiet seit über 6000 Jahren praktisch ohne Unterbrechung besiedelt wurde.

Im mittleren Paläolithikum (etwa 150'000 Jahre vor Christus) streifen Jäger durch die Gegend. Die Hochebene und der nach Osten abstürzende Steilfelsen bieten ihnen besonders günstige Bedingungen: ausgedehnte Prärien, auf denen Mammut, Bison und Auerochs grasen; Quellen am Fusse der mit Höhlen versehenen Felswand, die gelegentlich von Bären und Höhlenlöwen aufgesucht werden.

In der Neusteinzeit, gegen 4300 vor Christus, lassen sich Ackerbauern am Fusse des Steilfelsens auf einer Terrasse nieder. Nach Osten zu offen und gegen die Nordwinde geschützt, liegt diese Terrasse in der Nähe der Quellen und Höhlen, die Lehm zum Bau von Strohlehm-Mauern sowie zur Herstellung von Töpferwaren liefern.

Angesichts dieser zahlreichen natürlichen Vorteile dauern die Besiedlungen praktisch ohne Unterbrechung bis zum Ende des Bronzezeitalters, d.h. bis gegen 800 vor Christus an. Perlen aus Bernstein und Korallen, Muscheln, Keramik, Werkzeuge und Waffen zeugen von vielfältigen Kontakten mit dem Westen Deutschlands, mit der Schweiz und dem Adria-Raum.
Der langen Dauer der Besiedlung entspricht die Dichte der über die Hochebene hin verstreuten Grabstätten (Tumuli).

 

Während der römischen Eroberung und der Barbareneinfälle wird der Ort neu besiedelt; die Höhlen dienen als Zufluchtsort, sowie als Versteck für Geld, Schmuck und Gräber.

Mit ruhiger werdenden Zeiten findet eine Neubesiedlung der Wohnstätten in den Tälern statt; es lebt eine noch im Jahre 1823 nachweisbare Anbetung von Wassergottheiten auf (heilkräftiger Brunnen des St. Ploto in St. Romain). Eine merowingische Nekropole mit Sarkophagen breitet sich auf dem Felsrücken von St. Romain-le-Haut aus.

 

Im 10. Jahrhundert wird der Siedlungsplatz am Steilfelsen wieder hergerichtet : ein Ensemble bestehend aus fünf Steinhäusern im Schutze eines halbkreisförmigen, an die Felswand angelehnten Walls. Diese Siedlung wird angegriffen und eingeäschert. Die aufgefundenen Reste von Waffen und Reitutensilien, von Schmuck und Schachfiguren sowie von Musikinstrumenten weisen auf die Existenz einer Aristokratie hin, welche ihren Ausdruck in einem im 11. Jahrhundert erbauten Schloss findet.

Das auf der Südspitze des Felsrückens hoch über dem Unterdorf erbaute Schloss umfasst zahlreiche Gebäude, darunter ein Kapelle, die vom 11. Jahrhundert bis zum Ende des Mittelalters als Dorfkirche dient. Das Miteinander von weltlichen und religiösen Machthabern führt dazu, dass sich die Bewohner am heutigen Standort des von Rebbergen umgebenen Dorfes ansiedeln.

Am 3. August 1300 kaufen die Herzöge von Burgund die gesamte Gebietsherrschaft mit St. Romain, seinen Mühlen, Scheunen und Teichen, sowie fünf weitere Dörfer, nämlich Orches, Evelles, Dracy, Baubigny und Melin.

Räuberbanden, Pest- und Hungerepidemien führen zwischen 1350 und 1450 zu einer tiefen Krise; an den etwa zehn Gebäuden des Schlosses werden keine Reparaturen mehr durchgeführt. Eine Ausnahme bildet das Kelterhaus, denn die burgundischen Herzöge legen grossen Wert auf ihren im Burgkeller gelagerten Wein.

Gegen Ende des Mittelalters wird die Dorfkirche aus dem Schlossbereich in die Mitte des Oberdorfs an die Stelle einer romanisch-clunyazensischen Priorats-Kapelle verlegt.

Diese Kirche hat mehrere Besonderheiten. Am Eingang, unter dem Glockenturm, beherrschen eindrucksvolle Taufbecken eine Treppe mit elf Stufen. Am Ende des Kirchenschiffs trägt ein Alder mit geöffneten Schwingen eine steinerne, im Jahr 1609 errichtete Kanzel. Ihr Aufgang wird durch ein Relief verziert, welches die tierischen Räuber der Weinrebe darstellt.

Während der französischen Revolution wird die Kirche von St. Romain zum Tempel des Höchsten Wesens von „Belle Roche“, und mit den Steinen des Schlosses werden die Häuser des Ortes ausgebessert oder neu errichtet.

Im Jahre 1850 zählt das Dorf 850 Einwohner. Die Reblauskrise und die Weltkriege führen zu einer starken Verminderung der Einwohnerzahl, welche sich heute bei rund 230 Personen zu stabilisieren scheint.

Die seit 1947 als „Côte de Beaune“ klassifizierten Rebberge von St. Romain sind einer der wesentlichen Wirtschaftsfaktoren des Dorfes. Die Weinberge unterstreichen die Besonderheit der Landschaft, welche seit 1997 geschützt ist.

 
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